• Die gelbe Schlange

Prolog & Kapitel 1

Der Monsun hatte die Stadt fest in seiner Gewalt. Seit Tagen regnete es so stark, dass sich kaum jemand auf die Strassen wagte. Der König war wie immer schlecht gelaunt.
Er mochte den Regen nicht. Aber nicht nur das – an solchen Tagen mochte er eigentlich gar nichts. Er hasste sein Land, seine Stadt, seinen Palast, sein Volk, seine Bediensteten und auch das Essen, das ihm gerade serviert worden war.
Und wenn ihn dann, so wie heute, noch sein engster Berater beim Essen störte, gab es für ihn kein Halten mehr. „Verfluchter Haufen von Idioten. Lasst mich alle in Ruhe!“
„Aber mächtiger König, der Händler draussen wartet seit Wochen auf eine Audienz bei Ihnen und Sie haben ihn für heute hier herbestellt. Lassen Sie ihn doch bitte vorsprechen und ich sorge währenddessen dafür, dass Sie ein wunderbares Essen bekommen. Natürlich nur, wenn Ihnen das recht ist, erhabener König.“
„Ach, wie mühsam!“, war die knappe Antwort des Königs. Er stand auf und schaute unzufrieden aus dem Fenster. Wie er diese Tage hasste! „Wenn mir das Essen nicht schmeckt, werfe ich dich eigenhändig in die Schlangengrube!“
„Aber gewiss doch“, erwiderte der Berater schüchtern, verneigte sich dabei tief vor seinem Herrscher, liess dann das Essen abräumen und den Händler eintreten.
Der König würdigte den Bittsteller keines Blickes und sah weiter aus dem Fenster. Eine lange Zeit hörte man nur den Regen auf den kostbaren weissen Marmor prasseln, der den prunkvollen Palast umgab. „Worauf wartest du, Händler? Auf besseres Wetter?“, herrschte ihn der König an, als ob er sich plötzlich wieder daran erinnert hätte, dass ihn jemand bei seiner Mahlzeit störte.
Der Händler räusperte sich und wollte sich dem König ein paar Schritte nähern.
„Bleib genau da stehen. Was fällt dir ein, dich ohne meine Zustimmung zu bewegen? Sag, was du zu sagen hast, und verschwinde dann so schnell wieder im Regen, wie du gekommen bist. Ich habe Hunger, bei Krishna!“
Nachdem der Händler verzweifelt seine Bitte vorgetragen hatte, antwortete der hochmütige Herrscher ungehalten: „Du langweilst mich mit deinem Gejammer. Geh mir aus den Augen oder ich lasse dich und deine ganze Familie einsperren. Denn dann hast du wenigstens einen Grund zu jammern. Ich will jetzt endlich essen! ESSEN, habt ihr gehört?“

Da machte der Händler ein paar Schritte auf den König zu und spuckte ihm vor die Füsse.

अंधों के बीच में काना राजा

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2018